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Wie aus einer Ruine ein Lebenstraum wurde

[blockquote align=”none”]Manchmal kommt es anders, als man denkt…[/blockquote]

Interview mit Carolin Kempkes,
Inhaberin Restaurante „Anoa“ in Santanyí


2013 hat es Carolin Kempkes nach Mallorca verschlagen, weil sich Ihr Ehemann auf der Sonneninsel verliebte: in eine uralte, aber bildschöne Immobilienruine. Dass dieses Objekt irgendwann einmal ihr Leben bestimmt, hätte sich die Familie zum damaligen Zeitpunkt nie träumen lassen. Ihren Alltag mit Kind und Restaurant stemmt Carolin überwiegend alleine. Ihr Ehemann ist Bauunternehmer in Deutschland (NRW) und besucht die Familie an den Wochenenden.

Wie oft hast Du Mallorca vorher besucht, bevor Du ausgewandert bist?

Das kann ich nicht zählen (lacht). In den Jahren 2004-2013 waren wir ca. 60 Tage pro Jahr auf Mallorca. Verzaubert hat mich allerdings das erste Mal: 1997 mit der Sporthochschule Köln im Februar: menschenleer – sonnig – genial.

Wen oder was bewunderst Du?

Grundsätzlich bewundere ich Menschen die unumstößlich das tun, was Ihnen wichtig ist oder was sie schon immer tun wollten. Menschen die ein Schicksal zu tragen haben und dieses mit einer Leichtigkeit tragen was andere verblüfft. Menschen die so tolerant sind, auch komplett andere Lebensentwürfe als die eigen zu fördern und zu unterstützen. Bei diesen Beispielen schaue ich speziell in den Kreis meiner Familie. Meine Schwestern, mein Patenkind, mein Sohn, mein Mann. Um das Lieblingszitat meines Sohnes zu zitieren: “Der Lohn der Anpassung ist, dass Dich alle mögen, außer Du selbst”.

Was war Dein schönstes Geburtstagsgeschenk?

Das erste Kennenlernen mit den beiden wundervollen Töchtern meines Mannes war an meinem Geburtstag. Heute sind sie 28 und 26 Jahre alt. Und beide haben schon mindestens eine Saison im Anoa mitgearbeitet.

Du bist gelernte Sportwissenschaftlerin. Wie kam es zu Deinem Restaurant „Anoa“?

Bei einem unserer Besuche hat sich mein Mann in die alte Ruine verguckt. Irgendwann haben wir angefangen umzubauen und viel später erst entschieden, ein Restaurant daraus zu machen. Dass wir es auch noch selbst betreiben würden, haben wir mit als Letzte erfahren (lacht). Es war einfach ein Zufall. Nicht geplant.

Anoa – welche Bedeutung hat dieser Name?

Anoa ist ein Fantasiename unseres Sohnes. Er war damals 7 Jahre alt und kurz vor dem Einschlafen, als er sagte: „Mama, unser Restaurant wird Anoa heißen.” “Anoa” ist aber auch ein asiatisches Rind. Es gibt ein Berg- und ein Steppen Anoa. Darum auch unser Logo…

[blockquote align=”none”]„Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, Leib und Seele kulinarisch zu verwöhnen.“[/blockquote]

Was ist das Restaurant heute für Dich?

das Anoa ist für mich ein zweites Zuhause geworden. ein Ort an dem Gäste zu Freunden geworden sind, wo jeden Abend neue Menschen hereinspazieren und mir einen kleinen Einblick in ihr Leben schenken! Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, Leib und Seele kulinarisch zu verwöhnen. Ich habe wundervolle Mitarbeiter die mir in den 4 Jahren sehr ans Herz gewachsen sind und die ich sehr respektiere.

Wie hast Du hier Freunde gefunden, auf die Du zählen kannst?

Menschen begegnen Dir einfach. Du bist Dir sympathisch und Santanyí ist ja kein riesiges Dorf. Geblieben sind auch Freunde von früher mit gleichen Werten.

Was braucht jeder – Deiner Meinung nach – für ein Leben auf Mallorca?

Selbstbewusstsein, Gelassenheit (lernt man mit der Zeit), Durchhaltevermögen, ein positives Umfeld, Lust auf Menschen und eine Handvoll Glück.

Kannst Du Dir vorstellen, irgendwann wieder nach Deutschland zurückzukehren?

Im Moment garantiert nicht. Aber ausgeschlossen ist nichts! In die alte Heimat NRW sicherlich nicht mehr.

Nenne 3 Dinge, die Du in Deinem Leben noch unbedingt machen möchtest.

Skiurlaub in Colorado, USA. Mit meinen beiden Männern mit dem Van durch Australien reisen. Vielleicht noch einmal eine Eröffnung einer Weinbar…

Reist Du gerne? Wenn ja, wohin?

ich bin ein absoluter Naturmensch. Ich liebe die Berge und Österreich ganz speziell. Das haben meine Eltern mir und meinen vier Geschwistern mitgegeben.

[blockquote align=”none”]Wenn man etwas mit Leidenschaft und gerne tut, vergeht die Zeit einfach wie im Fluge.[/blockquote]

Ich liebe die Luft und Freiheit auf dem Berg! Darum habe das Gefühl, die Insel ständig verlassen zu müssen. Ich freue mich dann aber immer riesig, wenn ich wieder hier bin.

Wie wäre ein Mensch, der genau das Gegenteil von Dir ist?

ausgeglichen, organisiert, bedacht.

Wie vergehen 111 Wochen ganz schnell?

Hoffentlich vergehen sie nicht so schnell, denn das Leben ist fantastisch und wundervoll. Dennoch: In dieser Struktur geht’s schon ganz schön rasant vorwärts! Das ist eben die Kehrseite der Medaille: Wenn man etwas mit Leidenschaft und gerne tut, vergeht die Zeit einfach wie im Fluge. Wo sind die letzten vier Jahre geblieben?

Kann durch die richtige Beleuchtung ein hässlicher Mensch hübsch sein?

Jeder Mensch trägt Schönheit in sich. Da kommt es nicht auf die Beleuchtung, sondern auf das Gegenüber an, das den Menschen zum Strahlen bringt.

Welches Schulfach sollte unbedingt an Schulen gelehrt werden, das nicht auf dem Stundenplan steht?

Ernährungskunde und Ethik (verstärkt), schon in der Grundschule. Wenn schon Kindern klar wäre, wie Tiere gehalten und getötet werden, wenn sie wüssten, was in den bekannten Fastfoodketten drinsteckt oder eben nicht… Dann hätten wir vielleicht noch eine Chance, das Angebot- und-Nachfrage-Spiel der Lebensmittelindustrie zu beeinflussen.

Vielen Dank für Deine Zeit und Deine ehrlichen Antworten, Carolin.
Sehr gerne! Es hat mir sehr viel Freude bereitet.