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WANDERN – für Anfänger auf Mallorca

Wir sind auf Mallorca, und ich will mich fernab aller Touristenströme auf Wanderschaft begeben. Ich kein erfahrener Routen-Fan, aber es gibt Gerüchte, dass man manchen Reizen dieser Insel nur zu Fuß auf die Schliche kommt. Die Argumente gegen den Schweinehund sind so glasklar wie das Meer: Spektakuläre Ausblicke, wunderschöne Strände, abwechslungsreiche Szenerien – weitab des pulsierenden Partylebens tobt das Leben von Pflanzen und Tieren. Soweit zur Motivation. Jetzt zu den Zweifeln: Ich bin einigermaßen gut zu Fuß, aber nicht top trainiert – und habe Höhenangst. Was hat Mallorca an Ausflugszielen für Menschen wie mich zu bieten?

Vom Großen zum Kleinen

Fast unweigerlich landet mein Blick bei der Suche nach schönen Wanderwegen in Richtung Westen mit einer Tendenz gen Norden: Dort zieht sich das Tramuntana-Gebirge durch die Landschaft und lockt mit beeindruckenden Panoramen, Spuren der Vergangenheit, kleinen Abenteuern und unvergesslichen Momenten. Die Trockenmauerroute (GR 221) ist locker 150 Kilometer lang und verdankt ihren Namen den Pflasterpfaden, die ganz ohne Mörtel per Trockensteinbau angelegt wurden und in ihrer Bauweise auf das 13. Jahrhundert zurückgehen.

Der Weg führt durch Wälder und an Küsten vorbei, zeigt Terrassenfelder, wilde Pflanzen und lässt mit ein bisschen Glück seltene Vögel entdecken. Schluchten und Kämme wechseln sich mit Olivenhainen und Hochebenen ab. Auch die urbanen Zwischenziele reizen: Da ist beispielsweise das Künstlerdorf Deià, das ansehnliche Städtchen Sóller und Pollença mit seinem maritimen Flair und der historischen Altstadt.

Der Gipfel des Tramuntana zählt 1450 Meter, der Weg ist in acht Etappen unterteilt. Für mich als Anfängerin kommt das natürlich null in Frage. Aber ein Abschnitt vielleicht? Ich entscheide mich für den Weg von Sant Elm zum ehemaligen Kloster La Trapa. Die Schwierigkeit wird auf „mittel“ geschätzt. Ich bin ganz optimistisch, das ich das gut schaffe und mache mich an die Vorbereitungen. Was ich mitnehme: Eine Karte und meine Wanderstiefel, die über die Knöchel gehen – ich will nicht umknicken. Sonnencreme und eine Menge Wasser. einen Hut und natürlich meine Handy – man weiß ja nie. Etwas zu essen – die Wanderzeit beträgt etwa vier Stunden. Mein bester Freund lässt sich zum Glück schnell überreden und kommt auch mit.

Jetzt wird’s ernst.

Ein bisschen aufgeregt machen wir uns auf den Weg. In Sant Elm geht es an der Placa de Mossèn Sebastià Grau los. Die erste Strecke führt durch einen Kiefernwald, was bei strahlender Sonne sehr angenehm ist. Der Weg schlängelt bergauf, aber nie so, dass es zu anstrengend wird. Nach und nach verfliegt die Aufregung. Der Gedanke daran, ob wir auf dieser Wanderung an unsere Grenzen kommen werden, weicht einer friedlichen Euphorie.

Nur vereinzelt treffen wir auf andere Menschen, ansonsten Pflanzen und Stein, wilde Ziegen, Vogelgezwitscher. Wir müssen bei den vielen Abzweigungen aufpassen, dass wir auf der Strecke bleiben. Mit einem wachen Auge und dank der übereinandergestapelten Steine und Steinpfeile behalten wir aber die Orientierung. Atemberaubende Verschnaufspausen bieten die auftauchenden Ausblicke. Da ist zum Beispiel der Panoramablick aufs Meer und auf die Insel Sa Dragonera. Etwas später erhebt sich der Wachturm Torre de Cala en Basset, der im 16. Jahrhundert zum Schutz vor Piraten gebaut wurde. Danach kommt der erste Schweißausbruch, der nicht den Temperaturen geschuldet ist: Um weiterzukommen, müssen wir über Felsen klettern, um im doppelten Sinne eine Gratwanderung zu absolvieren. Der Blick nach unten versetzt meine Höhenangst in höchste Alarmbereitschaft und meine Knie werden weich. Nach einigem guten Zureden meines Begleiters verfalle ich nicht in Panik und schaffe es irgendwie, diese Passage zu überwinden. Oben angekommen, genieße ich den Ausblick – sitzend. Wir gehen weiter, die schwierigste Passage scheint überwunden zu sein.

Vom Weg zum Ziel

Dann sehen wir das Kloster La Trapa. Das Gebäude ist umgeben von Terrassenfeldern, die von der Vergangenheit und Schwerstarbeit erzählen. Die Finka wurde im 17. Jahrhundert von Mitgliedern des Trappistenordens gegründet und bewirtschaftet. Die Bewohner lebten asketisch und ackerten beharrlich, um dieses Stückchen Erde zu einem Lebensort für Menschen zu machen. Heute befindet sich das Kloster und dessen Gelände in den Händen der Umweltorganisation GOB (Grup Balear d‘Ornitologia i Defensa de la Naturalesa) und wird dort als wichtiges Kultur- und Naturerbe Mallorcas gepflegt. Belohnt werden die Mühen der Organisation mit einem Vogelschutz und mit dem Wachstum seltener Pflanzen – alleine 14 Orchideenarten blühen dort. Dieser lauschige Ort lädt zum Verweilen ein, also suchen wir uns ein schönes Plätzchen für unser Picknick. Erst nach einer Weile zieht es und zurück.

Der Rückweg verläuft ohne besondere Herausforderungen, bietet aber viele Gründe zum Stehenbleiben und die Umgebung zu genießen.

Fazit:

Die Tour zum ehemaligen Kloster La Trapa zählt zu den beliebtesten Mallorcas. Wie ich finde, zu Recht! Konditionell war der vierstündige Ausflug und ein Höhenmesser von etwa 370 Metern für uns gut zu bewältigen. Für Menschen, die nicht ganz trittsicher sind, ist diese Wanderung allerdings nichts. Und mit meiner Höhenangst bin ich unterwegs definitiv an meine Grenzen gekommen. Aber auch auf den Geschmack. Viele unvergessliche Eindrücke und Ausblicke haben sich in meinem Gedächtnis verankert. Mit seiner Natur hat Mallorca einen unbeschreiblichen Reichtum zu bieten, den ich besser kennenlernen will – die nächste Runde steht garantiert demnächst wieder an!

Weitere Wanderroutentipps

Gute Ausflugsziele bietet die PDF “Caminar per Mallorca” vom Tourismusportal
der Balearen (infomallorca.net). Dort sind 12 schöne Touren
zu finden. Das Höhenprofil, die Länge des Wegs und der Schwierigkeitsgrad
werden ebenso abgebildet wie ein Kartenauszug, eine kleiner
Text mit den Vorzügen der Route und Bilder.